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bulletTag des offenen Denkmals am 9. Sep. 2001

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur Geschichte von Kunreuth

Am südwestlichen Rande der Fränkischen Schweiz, wo sich Troppach und Laschbach zum Trubbach vereinigen, liegt in landschaftlich schöner Lage der Ort Kunreuth. Schon der Name weist daraufhin, dass es sich hierbei um die Reuth (Rodung) eines gewissen Cuno handelt. Urkundlich wird "Chunearut" zum ersten Male im Jahre 1109 in dem Gründungsbuch des Collegiat-Stifts St. Jacob zu Bamberg erwähnt. Das Buch benennt insgesamt 70 Güter, welche dem Stift St. Jacob am 25. Juli 1109 zur Kirchweih von Bischof Otto geschenkt wurden, darunter auch einige in Kunreuth.

Um 1348 übte wieder der Bischof von Bamberg die Dorfherrschaft aus. Im unterstanden vier Hufen und drei Lehen, eine weitere Hufe gehörte zur Stiftung der Kapelle Reuth. Zinspflichtig waren damals Heinrich Böhm, Heinz Vetter, Petzold Knoll, und Hermann Fleck; Hermann Treg hatte 2 Hufen, während Konrad von Nürnberg den Zehnt für ein Lehen zahlen musste. Das Anrecht auf den Zins der zwei letzten Güter hatte der Bischof dem Heinrich von Wiesenthau übertragen.

Im 14. Jahrhundert wurde Kunreuth auch ritterschaftlich. Der Bamberger Bischof gab dem Geschlecht der Egloffsteiner Kunreuth als Rittermannslehen. Die Egloffsteiner waren eine der mächtigsten und einflussreichsten Ministerialen mit eigenen Burgen in mehreren Orten. Das Kunreuther Schloss, eine Wasserburg, soll von 1304-1318 von Bischof Wulfing von Bamberg erbaut worden sein. Es besteht aus Vor- und Hauptburg. In der Vorburg war der Wirtschaftshof, der aber mit in die Befestigung eingeschlossen war. Ein Graben mit Mauern und Türmen umgab die gesamte Anlage. Die eigentliche Hauptburg wurde nochmals durch einen Graben geschützt.

Im Bauernkrieg wurde das Schloss von den aufrührerischen Bauern eingenommen, geplündert und zerstört. Später mussten die Bauern dafür große Summen Geld an die Egloffsteiner zahlen, so dass diese das Schloss wieder aufbauen konnten. Die Friedenszeit nach den Bauernaufständen war nur von kurzer Dauer. Ihr folgte der Markgrafenkrieg, der vor allem im Jahre 1553 viel Unheil über das Dorf brachte und wohl als das dunkelste Kapitel der Kunreuther Geschichte gilt.

Der Markgraf Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach hatte versucht, das unter dem Befehl des Claus von Egloffstein stehende Forchheim einzunehmen. Als die Stadt der Aufforderung zur Übergabe nicht nachkam, rückte der Markgraf gegen das Egloffsteiner Kunreuth, brannte das Dorf nieder und beschoss das Schloss mit großem Geschütz bis in die Nacht und auch weiter am nächsten Tag. Die Schlossbesatzung erwiderte das Feuer was den Markgrafen sehr verärgerte. Nun war aber die junge Frau des Claus von Egloffstein zusammen mit anderen Frauen im Dorf. Der Markgraf griff sie auf und ließ sie zur Belustigung der Soldaten im Hemd durch das Lager laufen. Dennoch widersetzten sich die Verteidiger allen weiteren Beschießungen, so dass das Schloss nicht eingenommen werden konnte. Ungeduldig bot der Markgraf der Besatzung des Schlossen Gnade und freien Abzug mit Waffen an. So ergaben sich die gutgläubigen Verteidiger. Als sich jedoch zeigte, dass ein kleiner Trupp von 39 Bauern, einem kranken Pfarrer namens Välner und einigen Knaben das Schloss gegen eine solche Übermacht gehalten hatte, ließ Alcibiades sie allesamt in ein Gewölbe sperren. Später befahl er sie aufzuhängen, den Pfarrer als ersten. So starb die gesamte tapfere Besatzung. Die gefangenen Frauen wurden verschleppt, das Schloss niedergebrannt.

Die Pfarrei Kunreuth war einst eine Filiale der Stiftskirche St. Martin in Forchheim. Am 30. Juni 1426 wurde die im Kern gotische Lukas-Kirche eingeweiht, was durch eine Urkunde, die beim Kirchenbau eingemauert wurde, bezeugt ist. Es muss jedoch schon vorher eine Kirche bestanden haben, denn die Urkunden im Parramt und Schloss reichen zurück bis ins Jahr 1351.

1458 erfolgte dann die Abtrennung von Forchheim, so dass Kunreuth zur eigenständigen Pfarrei wurde. Während der Reformation fand auch der neue Glaube Einlass in Kunreuth. Die Herren von Egloffstein setzten um 1560 einen neuen protestantischen Prediger ein. Dies missfiel jedoch den Bamberger Bischöfen. Sie versuchten das Dorf wieder zum Glauben zu bekehren. So berief 1610 Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen den katholischen Pfarrer Johann Pfalzgraf nach Kunreuth. Dieser konnte sich allerdings nicht durchsetzen. 1629 sandte der Bischof Musketiere. Diese wollten in den Kirchhof eindringen, fanden ihn aber verschlossen vor und mussten über die Mauer steigen. Sie forderten den Pfarrer auf, binnen drei Tagen die Pfarre und in acht Tagen das Dorf zu räumen. Als sie verlangten die Kirche zu öffnen, sagte ihnen der Pfarrer, den Schlüssel hätten die Grafen. Diese gaben den Schlüssel nicht rauß und wollten im Guten verhandeln.

Doch die Musketiere brachen die Kirche gewaltsam auf und setzten den Kunreuthern eine Frist von einem Jahr, innerhalb derer sie sich wieder zum katholischen Glauben bekennen sollten. Andernfalls würde man Ritter und Soldaten schicken. Später wurde der evangelische Pfarrer Albert von Kunreuth gefangen und nach Bamberg verschleppt. Von katholischer Seite wurden Seite wurden kurz nacheinander drei Pfarrer nach Kunreuth versetzt, die sich aber alle nicht lange halten konnten. Mit dem Einfall der Schweden im Jahre 1633 ging das Dorf dann endgültig für das Bistum Bamberg verloren, wurde evangelisch und ist es bis heute geblieben.

Im 30-jährigen Krieg musste Kunreuth viele Durchzüge, Einquartierungen und Plünderungen über sich ergehen lassen. 1630 hielt sich hier zehn Monate lang ein ganzes Wallensteinische Regiment auf. Auch wurde später das Schloss eingenommen, eine Glocke aus der Kirche geraubt und die Felder zerstört. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wuchs das Dorf stark an, so dass ein zweistöckiges Schulhaus gebaut werden musste. Das Fachwerkgebäude dient heute der Kirchengemeinde als Jugend- und Gemeindehaus.

Lange Zeit bestand in Kunreuth auch eine jüdische Kultusgemeinde. Schon bald wurde für die ansässigen Judenfamilien eine eigene Synagoge errichtet. Im Einwohnermeldeverzeichnis vom 5. Oktober 1851 ist die stattliche Anzahl von 97 jüdischen Bewohnern vermerkt. Ab der Jahrhundertmitte wanderten jedoch viele jüdische Familien in die näher gelegenen Städte oder nach Übersee aus, so dass 1875 nur noch 26 Juden in Kunreuth lebten. Ein Jahr später löste sich die Kultusgemeinde auf. Im Jahre 1890 war nur noch ein einziger jüdischer Bürger gemeldet (1914 ebenfalls). Die Synagoge wurde verkauft und vom neuen Besitzer abgerissen.

Bis Ende des 2. Weltkrieges war Kunreuth ein typisches Bauerndorf. Die Einwohner arbeiteten vorwiegend in der Landwirtschaft, betrieben Obstbau und Schweinezucht. Es gab nur wenige Gewerbetreibende. die wichtigsten Handwerker waren jedoch im Dorf vertreten: Metzger, Bäcker, Schmied, Schlosser, Seiler, Zeugmacher und Schreiner. Viele dieser Betriebe sind auch heute noch Bestandteil der örtlichen Infrastruktur.

Nach dem Zusammenbruch des 3. Reiches nahm die Einwohnerzahl Kunreuths erheblich zu, da viele Kriegsflüchtlinge hier eine neue Heimat fanden. In den folgenden Jahrzehnten lockten auch einige Siedlungsgebiete Neubürger an, so dass der Ort heute etwa 650 Einwohner hat. Zur politischen Gemeinde gehören seit der Gebietsreform 1978 auch die Dörfer Weingarts, Regensberg und Ermreus.      

 

 

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Copyright © 2001, Stand: 16.09.2005