Zur Geschichte von
Kunreuth
Am südwestlichen Rande der Fränkischen
Schweiz, wo sich Troppach und Laschbach zum Trubbach vereinigen, liegt in
landschaftlich schöner Lage der Ort Kunreuth. Schon der Name weist
daraufhin, dass es sich hierbei um die Reuth (Rodung) eines gewissen Cuno
handelt. Urkundlich wird "Chunearut" zum ersten Male im Jahre
1109 in dem Gründungsbuch des Collegiat-Stifts St. Jacob zu Bamberg
erwähnt. Das Buch benennt insgesamt 70 Güter, welche dem Stift St. Jacob
am 25. Juli 1109 zur Kirchweih von Bischof Otto geschenkt wurden, darunter
auch einige in Kunreuth.
Um 1348 übte wieder der Bischof von Bamberg die Dorfherrschaft aus. Im
unterstanden vier Hufen und drei Lehen, eine weitere Hufe gehörte zur
Stiftung der Kapelle Reuth. Zinspflichtig waren damals Heinrich Böhm,
Heinz Vetter, Petzold Knoll, und Hermann Fleck; Hermann Treg hatte 2
Hufen, während Konrad von Nürnberg den Zehnt für ein Lehen zahlen
musste. Das Anrecht auf den Zins der zwei letzten Güter hatte der Bischof
dem Heinrich von Wiesenthau übertragen.
Im 14. Jahrhundert wurde Kunreuth auch ritterschaftlich. Der Bamberger
Bischof gab dem Geschlecht der Egloffsteiner Kunreuth als
Rittermannslehen. Die Egloffsteiner waren eine der mächtigsten und
einflussreichsten Ministerialen mit eigenen Burgen in mehreren Orten. Das
Kunreuther Schloss, eine Wasserburg, soll von 1304-1318 von Bischof
Wulfing von Bamberg erbaut worden sein. Es besteht aus Vor- und Hauptburg.
In der Vorburg war der Wirtschaftshof, der aber mit in die Befestigung
eingeschlossen war. Ein Graben mit Mauern und Türmen umgab die gesamte
Anlage. Die eigentliche Hauptburg wurde nochmals durch einen Graben
geschützt.
Im Bauernkrieg wurde das Schloss von den aufrührerischen Bauern
eingenommen, geplündert und zerstört. Später mussten die Bauern dafür
große Summen Geld an die Egloffsteiner zahlen, so dass diese das Schloss
wieder aufbauen konnten. Die Friedenszeit nach den Bauernaufständen war
nur von kurzer Dauer. Ihr folgte der Markgrafenkrieg, der vor allem im
Jahre 1553 viel Unheil über das Dorf brachte und wohl als das dunkelste
Kapitel der Kunreuther Geschichte gilt.
Der Markgraf Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach hatte versucht, das
unter dem Befehl des Claus von Egloffstein stehende Forchheim einzunehmen.
Als die Stadt der Aufforderung zur Übergabe nicht nachkam, rückte der
Markgraf gegen das Egloffsteiner Kunreuth, brannte das Dorf nieder und
beschoss das Schloss mit großem Geschütz bis in die Nacht und auch
weiter am nächsten Tag. Die Schlossbesatzung erwiderte das Feuer was den
Markgrafen sehr verärgerte. Nun war aber die junge Frau des Claus von
Egloffstein zusammen mit anderen Frauen im Dorf. Der Markgraf griff sie
auf und ließ sie zur Belustigung der Soldaten im Hemd durch das Lager
laufen. Dennoch widersetzten sich die Verteidiger allen weiteren
Beschießungen, so dass das Schloss nicht eingenommen werden konnte.
Ungeduldig bot der Markgraf der Besatzung des Schlossen Gnade und freien
Abzug mit Waffen an. So ergaben sich die gutgläubigen Verteidiger. Als
sich jedoch zeigte, dass ein kleiner Trupp von 39 Bauern, einem kranken
Pfarrer namens Välner und einigen Knaben das Schloss gegen eine solche
Übermacht gehalten hatte, ließ Alcibiades sie allesamt in ein Gewölbe
sperren. Später befahl er sie aufzuhängen, den Pfarrer als ersten. So
starb die gesamte tapfere Besatzung. Die gefangenen Frauen wurden
verschleppt, das Schloss niedergebrannt.
Die Pfarrei Kunreuth war einst eine Filiale der Stiftskirche St. Martin
in Forchheim. Am 30. Juni 1426 wurde die im Kern gotische Lukas-Kirche
eingeweiht, was durch eine Urkunde, die beim Kirchenbau eingemauert wurde,
bezeugt ist. Es muss jedoch schon vorher eine Kirche bestanden haben, denn
die Urkunden im Parramt und Schloss reichen zurück bis ins Jahr 1351.
1458 erfolgte dann die Abtrennung von Forchheim, so dass Kunreuth zur
eigenständigen Pfarrei wurde. Während der Reformation fand auch der neue
Glaube Einlass in Kunreuth. Die Herren von Egloffstein setzten um 1560
einen neuen protestantischen Prediger ein. Dies missfiel jedoch den
Bamberger Bischöfen. Sie versuchten das Dorf wieder zum Glauben zu
bekehren. So berief 1610 Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen den
katholischen Pfarrer Johann Pfalzgraf nach Kunreuth. Dieser konnte sich
allerdings nicht durchsetzen. 1629 sandte der Bischof Musketiere. Diese
wollten in den Kirchhof eindringen, fanden ihn aber verschlossen vor und
mussten über die Mauer steigen. Sie forderten den Pfarrer auf, binnen
drei Tagen die Pfarre und in acht Tagen das Dorf zu räumen. Als sie
verlangten die Kirche zu öffnen, sagte ihnen der Pfarrer, den Schlüssel
hätten die Grafen. Diese gaben den Schlüssel nicht rauß und wollten im
Guten verhandeln.
Doch die Musketiere brachen die Kirche gewaltsam auf und setzten den
Kunreuthern eine Frist von einem Jahr, innerhalb derer sie sich wieder zum
katholischen Glauben bekennen sollten. Andernfalls würde man Ritter und
Soldaten schicken. Später wurde der evangelische Pfarrer Albert von
Kunreuth gefangen und nach Bamberg verschleppt. Von katholischer Seite
wurden Seite wurden kurz nacheinander drei Pfarrer nach Kunreuth versetzt,
die sich aber alle nicht lange halten konnten. Mit dem Einfall der
Schweden im Jahre 1633 ging das Dorf dann endgültig für das Bistum
Bamberg verloren, wurde evangelisch und ist es bis heute geblieben.
Im 30-jährigen Krieg musste Kunreuth viele Durchzüge,
Einquartierungen und Plünderungen über sich ergehen lassen. 1630 hielt
sich hier zehn Monate lang ein ganzes Wallensteinische Regiment auf. Auch
wurde später das Schloss eingenommen, eine Glocke aus der Kirche geraubt
und die Felder zerstört. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wuchs das Dorf
stark an, so dass ein zweistöckiges Schulhaus gebaut werden musste. Das
Fachwerkgebäude dient heute der Kirchengemeinde als Jugend- und
Gemeindehaus.
Lange Zeit bestand in Kunreuth auch eine jüdische Kultusgemeinde.
Schon bald wurde für die ansässigen Judenfamilien eine eigene Synagoge
errichtet. Im Einwohnermeldeverzeichnis vom 5. Oktober 1851 ist die
stattliche Anzahl von 97 jüdischen Bewohnern vermerkt. Ab der
Jahrhundertmitte wanderten jedoch viele jüdische Familien in die näher
gelegenen Städte oder nach Übersee aus, so dass 1875 nur noch 26 Juden
in Kunreuth lebten. Ein Jahr später löste sich die Kultusgemeinde auf.
Im Jahre 1890 war nur noch ein einziger jüdischer Bürger gemeldet (1914
ebenfalls). Die Synagoge wurde verkauft und vom neuen Besitzer abgerissen.
Bis Ende des 2. Weltkrieges war Kunreuth ein typisches Bauerndorf. Die
Einwohner arbeiteten vorwiegend in der Landwirtschaft, betrieben Obstbau
und Schweinezucht. Es gab nur wenige Gewerbetreibende. die wichtigsten
Handwerker waren jedoch im Dorf vertreten: Metzger, Bäcker, Schmied,
Schlosser, Seiler, Zeugmacher und Schreiner. Viele dieser Betriebe sind
auch heute noch Bestandteil der örtlichen Infrastruktur.
Nach dem Zusammenbruch des 3. Reiches nahm die Einwohnerzahl Kunreuths
erheblich zu, da viele Kriegsflüchtlinge hier eine neue Heimat fanden. In
den folgenden Jahrzehnten lockten auch einige Siedlungsgebiete Neubürger
an, so dass der Ort heute etwa 650 Einwohner hat. Zur politischen Gemeinde
gehören seit der Gebietsreform 1978 auch die Dörfer Weingarts,
Regensberg und Ermreus.